Im ORF-Report läuft eine Art Nachruf auf Exkanzler Schüssel. Euer lieber Herr Chefideologe trinkt ein Glas Wein, blickt nostalgisch auf die Wendejahre nach 2000, zerdrückt mit dem linken Auge eine Träne. Those where the days, prost!
Ein Land, ein Tabubruch, eine Gegenbewegung. Legitimation der Rechten, nationaler Schulterschluss, EU-Sanktionen. Wende der politischen Kultur, Entmachtung der Gewerkschaft, Widerstand. Oppositionslügner, Wendekanzler, Volksverräter, Haiders kleiner Mann und selbsternannter Drachentöter: Wolfgang Schüssel, der große Staatsmann, der das Land umpkrempelt, der neoliberalen Zeitgeist mit einem Gesellschaftsbild von vorgestern zu vereinen weiß, dass andere konservative Parteien Europas nur so blöd schauen!
Das linke Pack schimpft auf Schüssel (“Wer hat uns verraten? Christdemokraten!”), eine neue Generation von Nationalisten verflucht die EU. Die Freiheitlichen kritisieren die von Schüssel zur “Internetgeneration” degradierte Protestbewegung als undemokratisches Gesindel, diese wiederum demonstrieren zu Hunderttausenden am Heldenplatz! (“Widerstand! Widerstand! Haider/Schüssel an die Wand!”) Kein Mensch weit und breit, den Politik kalt gelassen hat, jeder hatte seine Ansichten, überall wurde diskutiert und gestritten. Heute? Die Rechten kriegen 30% und völlig unabhängig, welche Koalition auch immer kommt: Den meisten ist es Wurscht!
Und so einfach war die Welt, so klar die Fronten, so eindeutig waren gut und böse zu unterscheiden. Heute findet man jemanden super, und muss feststellen, dass dieser jemand ÖVP gewählt hat. Zu allem Überdruss kommen Argumente, die nicht einmal der allerletzte Mist sind. Und die SPÖ auf der Oppositionsbank wirkte so viel sympathischer – der große Gegenpol zur verhassten Rechtsregierung. Die Grünen haben noch Hoffnungen geweckt. Ganz genau hat man gewusst, auf welcher Seite die coolen Typen stehn!
Und alles ging schließlich den Bach runter, niedergewalzt von einem skrupellosen Zerstörer, der auf den Namen “Normalisierung” hört. Die Donnerstagsdemos gehen sang- und klanglos unter, die linke Jugend klammert sich an die Vergangenheit (“Schwarz/Orange – Sozialabbau!” reimt sich beim besten Willen nicht mehr), und letzten Endes will auch Wolfgang Schüssel nicht kapieren, wann seine Ära zu Ende ist.
So stehen sie heute vor einem Scherbenhaufen, die protestierende Jugend, die Schüssel-ÖVP, die SPÖ. Und niemand interessiert sich für irgendwas!
ich kann mich an die öffentlich-rechtliche sendung erinnern…
ich kann nachvollziehen, wie sich wein und nostalgie auswirken…
those where the days!!!!!
huuuuuuuuk!