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Archive for Juni 2009

(Fiktion! Die Chronologie der beiden weltpolitischen Großereignisse wurde ein wenig angepasst….)

Adrian sitzt vor seinem Chai-Latte und überfliegt den Standard. Schwer beeindruckt von den Protestbewegungen im Iran zündet er sich eine Manitou an, und wird von einem Fremden nach der Uhrzeit gefragt. Also nimmt er sein Iphone 3g vom tisch, und multitoucht hurtig über den Screen. Immer noch beschert ihm die genial-intuitive Bedienung des Kulthandies ein angenehmes Kribbeln in der Hose. Nur noch den Bildausschnitt mit 2 Fingern vergrößern, um dann zielgerichteter das gratis Uhrzeitprogramm anwählen zu können. „Schon gesehen, danke.“ sagt der Fremde, und deutet auf Adrians Armbanduhr. So geht’s wohl auch, anspruchsloses Gesindel. Also muss Adrian die großartigen Animationen der virtuellen Analoguhr alleine genießen.

Wenn er schon mal das Iphone in der Hand hält könnte Adrian doch gleich seine Emails lesen, facebooken und twittern. Was er dabei erfahren muss, raubt ihm den Atem. Dürfen die das etwa? „Schlimmer als Hitler!“, spricht er versehentlich laut aus und wird seltsam angeschaut. Egal, Adrian ist wütend – zurecht! Protestgruppe auf Facebook? Keine frage, beitreten und die Welt verbessern!

Die da oben glauben, sie können alles machen! Immer nur gegen das Volk! Reine Geschäftemacherei, denkt Adrian, der Werbedesigner in Rage, nicht mit uns! Hier geht es um Freiheit im öffenltichen Raum! Adrian war immer schon ein großer freund der Freiheit. Wieder denkt er an den Iran, an Tapferkeit, an Heldenblut.

„Schon vom Skandal gehört? Ja? Ärgstens, oder? Ausgerechnet im Emku soll man kein eigenes Bier trinken dürfen, im Emkuuu, ich pack es nicht, echt nicht. Ich meine, ich kann mir das Bier beim Wirten auch leisten, aber das Emku ist doch für alle da, genau das macht es ja aus, oder? Bist schon meiner Meinung!? Ja sicher gemma Demo, da haltma zamm! Bitte was haben die Securities? Die Leute angepöbelt, Schlagstöcke habens ghabt? Alter Schwede! Solche Prolos haben im Emku echt nix verloren, die sollen sich gefälligst beim Flex bewerben, wenns unbedingt Leuten deppat kommen wollen. Passt, wir bleiben in Kontakt, Tod dem Diktator! Äh, nichts….tschü!“ Das baut auf! Nach diesem Telefonat wird Adrian erst die Größe der entstehenden Protestbewegung bewusst. Wir sind viele und wir sind zornig!

Der Tag der großen Demo ist gekommen, Adrian wird langsam nervös. Che Guevara Kappe oder Solidarnosc T-Shirt? T-Shirt! Aber welcher Spruch wird sein Transparent schmücken? „Dosenbier für alle, sonst gibt’s Krawalle!“, oder doch lieber „One Solution – Revolution!“? „Wir geben euch das das MQ zurück – Stein für Stein!“ kann er sofort ausschließen, zu langatmig, zu wenig knackig, weiß der Fachmann. „Enziland in Bürgerhand!“ Nein, zu FPÖ-mäßig. Schließlich entscheidet er sich für „Knochen könnt ihr brechen, aber unseren Willen nicht!“ und kann zufrieden seine Wohnung verlassen.

Was für ein Erfolg! Tausende sind gekommen, alle trinken Dosenbier! Keinerlei Widerstand, die scheißen sich an, wir haben gewonnen! Adrian kann es kaum glauben, der Kampf hat sich gelohnt, die Demonstration wird zu einer einzigen riesigen Party. Mit Kampfgeist und Entschlossenheit kann man alles erreichen. Mögen unsere iranischen Brüder im Geiste Mut schöpfen aus unserem Erfolg, wir haben vorgezeigt, wie es gehen kann.

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