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Liebe Freunde da draußen!

Nichts ist schöner, als gute Freunde zu haben!

Unter Beifall, Freudentränen, Korkenknallen und mit dem Abstechen einer jungen Sau wurde gestern mein Einstand in die werten Reihen des Ponyhofs gefeiert. Gestatten: Botschafter Delusconi, 42, Vater lächelnder Kinder (Gerli, 13, und Thor, 8), fürsorglicher Ehemann und ein steter Verfechter der Demokratie.

Zum Ponyhof kam ich eigentlich durch Zufall: es war die unglaubliche Faszination für kleine Tiere, die mich hier hergeführt hat. Geblieben bis in die späten Nachtstunden bin ich aber wegen dem Chefideologen, einem Redner von Weltformat, dem Klugscheisser, ein unverbesserlicher Experte und dem Kernfragensachverständigen, ein Mann von großer Wahrheitsliebe. Im Gespräch mit ihnen stießen meine Ansichten auf offene Ohren, verständnisvolles Nicken und fruchtbaren Boden. Umgekehrt war es nicht anders.

Völlig begeistert von der Einfachheit, der Klarheit und dem kritisch hinterfragten Optimismus dieser drei visionären Kämpfer für das Lächeln auch meiner Kinder, habe ich mich als Vater und Freund der Demokratie dazu entschlossen, den Ponyhof zu meinem ideologischen Wohnsitz zu machen.

Und schon sind wir in medias res!

Liebe Freunde!

Seht ruhig genauer hin! Habt den Mut zum kritischen Lächeln! Lasst euch nicht bekehren von Schandmäulern! Denn der heutige Blick in die selbstgekrönte Zeitung oder dem offiziellen Fanartikel zur Alpenrepuplik, die ÖSTERREICH, offenbart wieder die schamlos weitergeführten Packeleien…

Wir haben unser Pony als Kellnerin mit Traummaßen verkleidet und in ein Wiener Café eingeschleust:

– Mir einen Häferlkaffee und dem jungen Mann ein Wasser.

– Na, i hätt aber auc….

– Jaja! Fräulein, ein Glaserl Wasser und einen Häferlkaffee hab i gsagt! Flott, i hab dann an Termin! So, Wernerle: Wieviele Stimmen hast schon?

– Ach, Herr Onkel Hans… ich kenn mich da ja nicht so gut aus! Bis jetzt hab ich ja nur Türkenhäusl gebaut und a bissl was mit Infrastruktur. Hihi.

– Lach net so deppert, Bub!

– Ja, Onkel Hans…

– Na also schau. Ich hab fast 200000 Leser in Österrei…

– Das ist ja fast GANZ Österreich! Boah!

-Still sollst sein, Bub, und unterbrich mit net! Also, und du brauchst nur a bissl Lachen, freundlich sein, hast ghört!? I stell dich als an ganz gescheiten Mann hin und schreib dann auch, wie gemein es der Willi mit Österreich meint. Auf die anderen Gfraster setz i den Martin an: der soll irgeind Gedichtl schreiben – was eingängiges! Die 200000 ghörn schu dir. Der Gusenbauer is eh schu weg – Gottseidank, der hat ma des schöne Layout zammgschmissn, aber du, Bub, bist a ganz a fescher.

-Meinst ehrlich, Onkel Hans?

-Ja sicher. Auf so einen Sohn wie dich kann man stolz sein.

– Mei, hör auf…

– So, und jetzt hör zu: Wir haben da a paar Themen, zum Beispiel die Teuerung. Wir schreiben: „Butter und Milch 33% zu teuer!“ „Politik tut noch immer nichts!“ und dann kommst du, und sagst: „Wir werden die Steuerreform schon 2009 bringen!“ Und sagst a glei, dass des – wie hast des schnell?

– Eurofighter?

– Na, Studiengebühren! Depp.

– mh.

– Studiengebühren schaffst auch ab, sagst halt. Medizinische Versorgung für alle, keine Packelei mit den Blauen, beim Jörg überleg i mir des no, …

– Net so schnell, mei Bleistift is abbrochen!

– …Treibstoffkosten werma a wieder senken und die AUA kriegt die Lufthansa. Und du schaust, dassd immer schen kampelt bist und fesch. – Und an Leserbrief schreib ich dann auch noch, mit großer Überschrift! Und da Jeaneé, der schwule Franzos, schreibt da an Liebesbrief. Was sagst?

– Boah, du kennst dich aus, gell!? Danke, Herr Onkel!

– Ja, Biaschal, tua nur des was man dir sagt, dann kann der Hansi alles richten…

– Du, Onkel Hans, warum hilfst du mir eigentlich so lieb? Hihi?

– Weißt, i schau den Herrn von der Politik schon so lang zu, so lang schon schreib ich über andere – jetzt beginnt meine Autobiographie und i mach selbst a bisserl Politik. Nur a bisserl auf die alten Tag… De Leut haben eh immer schon das wollen, was ich gschrieben hab – bis auf die Strizzis die des Blattl da vom Brommer und vom Fleischhacker lesen… Verwirrte Schweinsbeich! Hippies!

– Ja, Onkel, weißt, i hab di ja so lieb, und gholfen hast mir auch immer… magst net du mein Spitzenkandidaten-Platz haben? Du kannst des ja auch sicher besser als i, hihi.

– Ach Biaschal, liab von dir, aber weißt: Legislaturperioden san kurz, die Krone wird weiterbestehen…

– Hihi?

– Jaja, mach da keine Sorgen. Kumm, lad deinen alten Onkel auf an Café ein.

– Hihi! Des schreib i von der Steuer ab! Staatsgeschäfte! Hihi!

– Du lernst schnell, Biaschal, zahlen!

***

Unser Pony war ganz bleich als es zurückgekommen ist. Momentan schläft es sich aus und wir hoffen, es bekommt keine schwere Kolik. Ausgekotzt hat es sich nämlich schon…

Naja, und der spitzfindige Medienmogul Fellner, der seine Zeitung gleich „Österreich“ getauft hat („…das sagt ÖSTERREICH!“), hat sich sein schönstes Kleidchen angezogen, damit er das nächste Mal auch auf einen Kaffee mitkommen darf. Der Titelt nämlich:

„Thema des Tages:

FAYMAN LEGT LOS!

Das ist die Polit-Sensation des Sommers: Laut Gallup Umfragen für ÖSTERREICH (Anm.: da haben wir’s wieder…) liegt die SPÖ erstmals seit einem Dreivierteljahr wieder gleichauf mit der ÖVP! Einen besseren Start hätte sich der neue SPÖ-Chef Werner Faymann nicht wünschen können..:“ und weiter: „…Fulminante Aufholjagd: Erklärbar ist diese sensationelle Ergebnis nur durch den fulminanten Wahlkampfstart von SPÖ-Chef Faymann. Mit dem Plakat „Genug gestritten“ startete er als Erster in den Wahlkampf, während die ÖVP das Gesicht seines Spitzenkandidaten Wilhelm Molterer erst gar nicht mit aufs Plakat hob…“ „…Klar ist: Faymann holt nach eineinhalb schweren Jahren unter Kanzler Alfred Gusenbauer nun endlich wieder Wähler zurück. Im Direktvergleich mit Molterer war ohnehin seit Wochen klar, dass Faymann punktet.“

Spricht für sich, aber um das nur kurz zu kommentieren: Es hätte sehr wohl besser starten können, beispielsweise ohne einen Brief altgediegener SPÖler, unter anderem Lacina, die über dass Hoppahoppa-Reiter-Spompanadl mit Dichand nicht wie Faymann in Tralala-Gelächter und Freudentänze ausbrachen. Dass Fellner hier zur Balz ansetzt, ist so offensichtlich, dass man sich fragen muss, ob der Mann angrennt is. Sätze wie „…er kämpft wie ein Löwe, wirkt dabei sympathisch und entwickelte sich in Rekordzeit zum „Lieblingskanzler“ der Österreicher!“ verweigern nicht nur journalistische Maßstäbe objektiver Berichterstattung, sondern die Realität.

Was wenn Faymann nicht Kanzler von Österreich wird? Wird er dann trotzdem Kanzler der ÖSTERREICHer, oder krönt ihn die Krone trotzdem mit seniler Sturheit?

Jaja, Freunde zu haben ist schön.

Ich selbst hingegen frage mich, ob es nicht eines funktionierenden Presserates bedarf, der solch offensichtliche Einmischung in die Politik, Nachrichten-Generierung statt Berichterstattung und Wordings wie „Im Vorhof der Macht“ ahndet und in Form zwingend zu veröffentlichende Richtigstellung bestraft. Dann erst könnte die anscheinend so unumstößliche Reputation des österreichischen Boulevard dorthin gebracht werden, wo sie hingehört: auf den Boden eines schäbigen Cafés, wo der Trasch jetzt noch Nachrichtenwert verliehen bekommt…

Von einer solchen Berichterstattung geradezu beleidigt,

ihr Botschaftsreferent Delusconi

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